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2020-04-26
Sebastian Klöckner

CISPA und Helmholtz begrüßen Richtungswechsel der Bundesregierung bei Corona-App

Helmholtz und CISPA begrüßen die Entscheidung der Bundesregierung für einen konsequent dezentralen Ansatz bei der Entwicklung einer Tracing-App.

„Helmholtz unterstützt die Entscheidung der Bundesregierung für eine dezentrale Lösung, die von einem breiten internationalen Konsortium getragen wird. Deutschland ist darin federführend durch das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit - CISPA vertreten. Das Zentrum arbeitet auf nationaler Ebene mit Partnern zusammen, um schnellstmöglich eine App zu realisieren“, sagt Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

Die Entscheidung von Kanzleramtsminister Helge Braun und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur dezentralen Lösung baut auf Vorarbeiten eines internationalen Konsortiums auf, an denen das Helmholtz Zentrum für Informationssicherheit - CISPA maßgeblich mitwirkt. Der Ansatz mit dem Namen DP-3T wird gemeinsam mit anderen internationalen IT-Sicherheits- und Datenschutzforschern u.a. der EPFL, ETH Zürich, KU Leuven entwickelt.

„Wir sind froh und dankbar, dass diese datenschutzfreundliche Lösung, die von vielen anderen Forschern grenzüberschreitend entwickelt wurde, schnell und ländergreifend verfügbar sein wird“, sagt Michael Backes, CEO und Gründungsdirektor des Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit - CISPA. Der Vorteil einer solchen dezentralen Architektur zum Contact-Tracing ist, dass es keinen zentralen Punkt gibt, an dem die personenbezogenen Daten der App-Nutzer, ihre IDs und ihr Kontaktnetzwerk zusammengeführt und verarbeitet werden. Alle kritischen Verarbeitungen erfolgen lokal auf dem Smartphone. Der Austausch von Daten findet zwar auch über einen Server statt. Dieser ist jedoch weniger attraktiv für kriminelle Hacker, da die dort gespeicherten Daten ohnehin zur Weitergabe an alle App-Nutzer vorgesehen sind.

DP-3T ermöglicht es, dass das Smartphone die Begegnungsdaten nur lokal speichert. Täglich ruft das Smartphone einen Schlüssel für die Bluetooth-IDs der positiv getesteten Bürger ab, die diese freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Das Smartphone der Nutzer berechnet dann lokal, ob Bürger dieser Bluetooth-ID begegnet sind und gibt gegebenenfalls eine Risikowarnung aus und Informationen, wo sie schnell Hilfe erhalten können.

DP-3T ist vollständig Open Source und kann auch von externen Experten begutachtet und geprüft werden. Einen Prototyp der App für Android und iOS wurde bereits am 17. April veröffentlicht. Die Schweiz will den dezentralen Ansatz bereits bis zum 11. Mai im Land einführen. Helmholtz beteiligt sich als deutscher Konsortialpartner gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft und weiteren Partnern aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik aktiv an der Realisierung dieser Lösung in Deutschland.