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2026-09-30
Annabelle Theobald

Was bleibt, wenn neue Wege beginnen

Für Franziska Boenisch und Adam Kortylewski beginnt ein neues berufliches Kapitel: Franziska übernimmt eine Professur an der TU München und wird Direktorin am Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit, Adam tritt eine Professur für Sichere Intelligente Systeme  an der Universität Freiburg an. Beide werden ihre Forschung  an ihren neuen Wirkungsstätten weiterentwickeln. Bevor sie das CISPA verlassen, blicken sie auf ihre Zeit am Zentrum zurück. In Interviews erzählen sie, wie sich ihre Forschung in den vergangenen Jahren verändert hat, welche Erfahrungen und Begegnungen sie besonders geprägt haben und was sie aus Saarbrücken mitnehmen. Dabei wird deutlich: Auch wenn sie beruflich neue berufliche Wege gehen, bleiben viele wissenschaftliche und persönliche Verbindungen bestehen. Wir sind froh und stolz, dass wir sie einen Teil ihres Weges begleiten durften.

Franziska, herzlichen Glückwunsch zu deiner neuen Position! Du stehst jetzt vor einem neuen beruflichen Kapitel. Was erwartet dich in deinem neuen Job und worauf freust du dich besonders?

Mich erwartet vor allem viel Verantwortung in einem spannenden Forschungsgebiet an der Schnittstelle zwischen KI und Cybersicherheit. Das sind Fragen, die unsere Gesellschaft gerade intensiv beschäftigen. Ich freue mich darauf, dort viel Gestaltungsspielraum zu bekommen, meine eigene Forschungsgruppe neu aufzubauen und meine Themen weiterzuentwickeln. Außerdem werde ich deutlich mehr in der Lehre tätig sein als bisher. Auch darauf freue ich mich sehr.

Was hat dich an dieser neuen Aufgabe so gereizt, dass du gesagt hast: Das möchte ich machen?

Vor allem eben die Verantwortung, die ich übernehmen werde. Aber auch der Standort München ist unglaublich attraktiv. Es gibt dort viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und eine fantastische Universität vor Ort. Hinzu kommt, dass es genau der richtige Moment ist. Die ganze Welt diskutiert darüber, wie wir IT-Sicherheit im Zeitalter der KI gewährleisten können und wie Frontier-Modelle die Cybersicherheit verändern werden. Mit diesen Modellen beschäftige ich mich praktisch seit ihrem Aufkommen. Jetzt möchte ich meine Methoden zur Kontrolle und Absicherung von KI-Modellen einbringen und dazu beitragen, ihre Entwicklung in die richtige Richtung zu lenken.

Wenn du auf deine Zeit am CISPA zurückblickst: Was war besonders?

Auf jeden Fall die Kolleg:innen. Ich habe hier unglaublich viel Unterstützung erfahren. Besonders deutlich wurde das, als ich meinen ERC-Antrag eingereicht habe. Meine Forschungskolleg:innen haben mir Feedback zu meiner Präsentation gegeben und sich meinen Vortrag angehört. Dazu kam die Unterstützung aus den verschiedenen Science-Support-Bereichen, von der Organisation bis hin zum emotionalen Rückhalt. Einen Ort, an dem sich alle so gegenseitig unterstützen, findet man, glaube ich, selten.

„Einen Ort, an dem sich alle so gegenseitig unterstützen, findet man selten“

Dr. Franziska Boenisch

Wie hat sich deine Forschung während deiner Zeit bei uns weiterentwickelt?

Als ich am CISPA angefangen habe, stand die generative KI noch relativ am Anfang. Damals haben wir uns viel mit Sicherheits- und Datenschutzproblemen bei vergleichsweise einfachen Modellen beschäftigt, beispielsweise mit Klassifikatoren, die zwischen Bildern von Hunden und Katzen unterscheiden.

Heute haben wir dagegen Frontier-Modelle, die unglaublich leistungsfähig sind und eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben übernehmen können. In den vergangenen Jahren habe ich mich deshalb zunehmend damit beschäftigt, unsere Methoden auf diese komplexen Modelle zu übertragen. So können wir Forschungsfragen bearbeiten, die für die Gesellschaft unmittelbar relevant sind.

Auf welches Projekt oder welchen Moment blickst du mit besonderem Stolz zurück?

Auf den ERC Starting Grant, den ich hier bekommen habe. Das Thema Datenschutz fasziniert mich schon seit meiner Promotion. Ich habe mich immer gefragt, wie wir KI-Modelle so gestalten können, dass sie von Grund auf Garantien für den Schutz der Privatsphäre bieten.

Mit meinem ERC Starting Grant gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter. Wir beschäftigen uns gezielt mit Frontier-Modellen, die unglaublich komplexe Trainingsstrukturen haben. Meine Gruppe und ich entwickeln Methoden, mit denen wir diese Trainingsprozesse so gestalten können, dass wir durchgängige Datenschutzgarantien erhalten und Daten auch in realen Anwendungsszenarien schützen können. Wenn uns das gelingt, wäre das aus meiner Sicht ein echter Durchbruch.

Gibt es etwas aus deiner Zeit hier, wissenschaftlich oder ganz persönlich, das dich auch nach München begleiten wird?

Auf jeden Fall die vielen tollen Kontakte zu meinen Kolleg:innen. Ich habe hier fantastische Menschen kennengelernt, mit denen ich unbedingt weiterarbeiten und in Kontakt bleiben möchte. Auch meine bisherigen Forschungsthemen werden mich weiter begleiten. Alles, was ich hier gelernt und erarbeitet habe, wird meine weitere Forschung prägen.

Und persönlich nehme ich natürlich auch saarländische Rezepte mit! Ich habe angefangen, saarländisch zu kochen, und kann mittlerweile zumindest einen Dibbelabbes zubereiten, für den ich mich nicht mehr schämen muss. Damit werde ich auf jeden Fall weitermachen.

Wenn dich jemand fragen würde, wie es ist, am CISPA zu forschen, was würdest du ihm oder ihr erzählen?

Dass es hier ein fantastisches wissenschaftliches Umfeld gibt, in dem man viele Kontakte knüpfen und zahlreiche thematische Anknüpfungspunkte finden kann. Gleichzeitig stehen einem viele Ressourcen zur Verfügung, um wichtige Forschungsfragen anzugehen. Und man hat die Freiheit, seine eigenen Forschungsthemen zu verfolgen. Ich glaube, diese Kombination findet man tatsächlich selten.

Du verlässt das CISPA, aber vermutlich nicht alle gemeinsamen Forschungsfragen. Wo könnten sich unsere Wege künftig wieder kreuzen?

Da gibt es weiterhin viele Anknüpfungspunkte, sowohl thematisch als auch menschlich. Meine Gruppe am CISPA wird an unseren bisherigen Forschungsthemen weiterarbeiten, während ich mich in München stärker den grundlegenden Fragen der Cybersicherheit öffnen möchte. Dabei interessiert mich nicht nur, welche Sicherheits- und Datenschutzrisiken in KI-Modellen bestehen, sondern auch, welche Risiken durch ihren Einsatz entstehen und wie wir die Modelle selbst nutzen können, um Systeme abzusichern.

Ich kann mir gut vorstellen, weiterhin gemeinsam mit Forschenden vom CISPA zu publizieren und neue Forschungsprojekte und Förderanträge anzustoßen. Gemeinsam können wir schließlich noch Größeres erreichen, als es uns allein möglich wäre.

Am CISPA konnte ich erleben, was daraus entstehen kann, wenn ein Umfeld konsequent auf wissenschaftliche Qualität ausgerichtet ist. Das hat meinen eigenen Blick auf Wissenschaft noch einmal verändert und geprägt – auch mein Verständnis davon, wie exzellente Wissenschaft funktionieren kann.

Adam Kortylewski

Adam, du stehst jetzt vor einem neuen beruflichen Kapitel. Was erwartet dich in deiner neuen Position und worauf freust du dich besonders?

Ich werde in Freiburg eine Tenure-Track-Professur für Sichere Intelligente Systeme aufbauen. Thematisch wird es ähnlich wie am CISPA, darum gehen, generative Modelle nicht nur leistungsfähiger zu machen, sondern auch robuster, verlässlicher und sicherer. Besonders freue ich mich darauf, meine eigene Forschungsgruppe in diesem Umfeld weiterzuentwickeln und das Thema Sichere Intelligente Systeme in Forschung und Lehre mitzugestalten.

Was macht die neue Position für dich zum richtigen nächsten Schritt?

Die Professur in Freiburg gibt mir die Möglichkeit, meine Forschung langfristig weiterzuentwickeln – nicht nur wissenschaftlich, sondern auch in der Lehre und in der Anwendung über verschiedene Fachgebiete hinweg. Freiburg ist dafür ein idealer Standort, weil dort eine starke KI-Landschaft mit Bereichen wie Robotik, Medizin, Biologie, Neurowissenschaften und nachhaltigen technischen Systemen zusammenkommt. Genau an solchen Schnittstellen sehe ich viele spannende Möglichkeiten für meine Forschung.

Auch persönlich ist es für mich ein sehr schöner Schritt: Ich kehre nach Baden-Württemberg zurück und bin damit wieder näher bei einem großen Teil meiner Familie. Dadurch fühlt sich der Wechsel nicht nur beruflich, sondern auch privat wie ein sehr passendes nächstes Kapitel an.

Wenn du auf deine Zeit am CISPA zurückblickst: Was war besonders?

Das Besondere für mich war wirklich die Kombination aus exzellenter Forschung, großer wissenschaftlicher Freiheit und sehr guten Ressourcen. Diese Kombination ist nicht selbstverständlich. Am CISPA konnte ich erleben, was daraus entstehen kann, wenn ein Umfeld konsequent auf wissenschaftliche Qualität ausgerichtet ist. Das hat meinen eigenen Blick auf Wissenschaft noch einmal verändert und geprägt – auch mein Verständnis davon, wie exzellente Wissenschaft funktionieren kann.

Wie hat sich deine Forschung während deiner Zeit bei uns weiterentwickelt?

Ein wesentlicher Punkt ist, dass wir Forschungsfragen zu Robustheit, Sicherheit und Leistungsfähigkeit von Modellen früher oft an kleineren Modellen untersucht haben. Am CISPA konnten wir diese Fragen durch die sehr guten Ressourcen, insbesondere auch im Bereich Rechenkapazität, auf moderne große Modelle und Foundation Models übertragen. Das verändert auch die Relevanz der eigenen Forschung. Dieser Schritt war für mich sehr wichtig, und das ist eine Richtung, die ich auch künftig weiterverfolgen möchte.

Was wirst du an der Zusammenarbeit mit deinen Kolleg:innen hier vermissen?

Auf wissenschaftlicher Ebene werde ich besonders den offenen und direkten Austausch vermissen. Am CISPA gibt es sehr viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ihrem Feld exzellent sind, zugleich aber zugänglich bleiben und sehr ehrliches, hilfreiches Feedback geben.

Auch auf administrativer Ebene werde ich die Hilfsbereitschaft vermissen. Wenn es offene Fragen oder Probleme gab, konnte man immer jemanden ansprechen. Diese zugängliche, proaktive Unterstützung ist etwas Besonderes.

Gibt es etwas aus deiner Zeit hier, wissenschaftlich oder persönlich, das dich nach Freiburg begleiten wird?

Was ich auf jeden Fall mitnehme, ist der Anspruch an wissenschaftliche Exzellenz und die Frage, wie man eine solche Kultur organisiert – auf der Ebene einer Institution, aber auch innerhalb einer Forschungsgruppe. Das fand ich am CISPA besonders faszinierend: wie stark eine gute Umgebung Forschung prägen kann. Davon habe ich sehr viel gelernt, und einiges davon möchte ich auch in Freiburg in meine eigene Gruppe und mein wissenschaftliches Umfeld mitnehmen.

Du verlässt das CISPA, aber vermutlich nicht alle gemeinsamen Forschungsfragen. Wo könnten sich eure Wege künftig wieder kreuzen?

Unsere Wege werden sich sicher auch künftig kreuzen. Die thematischen Überschneidungen zwischen meiner Professur für Sichere Intelligente Systeme in Freiburg und den Forschungsthemen am CISPA liegen auf der Hand. Ich sehe viele Möglichkeiten für gemeinsame Projekte, Workshops und weitere Zusammenarbeit – insbesondere bei Themen wie robuste und sichere intelligenter Systeme. Ich bin sicher, dass sich in Zukunft noch viele weitere Kontakte ergeben werden, beruflich wie auch privat.