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© David Rohner/CISPA

©David Rohner/CISPA

2026-08-14
Felix Koltermann

„Ich habe wirklich Freude an der Forschung“: Unsere neue CISPA-Faculty Dr. Ana-Maria Cretu

Die Forschung an KI-Modellen mag den meisten Menschen nicht besonders anwendungsorientiert erscheinen. Für unsere neue Faculty Dr. Ana-Maria Cretu, die ihre akademische Laufbahn in der Mathematik begann, ist sie jedoch genau das. In einem Gespräch hat sie uns erzählt, wie ihr mathematischer Hintergrund ihre Forschung nach wie vor prägt, welche Herausforderungen im Bereich der KI und anderer komplexer Systeme ihre Arbeit antreiben und was sie zum CISPA geführt hat.

Was Dr. Ana-Maria Cretu am CISPA gereizt hat, war die einzigartige Gelegenheit, mit so vielen Menschen aus den Bereichen Sicherheit und Privatsphäre zusammenzuarbeiten. „Es gibt viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, und die unmittelbare Nähe zu anderen Forschenden alleine führt bereits zu lehrreichen Momenten“, so Cretu. „Ich finde, das ist ein großartiges Umfeld.“ Beeindruckt war sie auch von den Gesprächen während des Bewerbungsprozesses und der Atmosphäre, die dabei herrschte: „Ich war angenehm überrascht, dass ich trotz der Größe des CISPA nie das Gefühl hatte, dass es dort übermäßig um Wettbewerb ging. Stattdessen schienen alle ehrlich hilfsbereit zu sein. Das war einer der Faktoren, die mich davon überzeugt haben, hier anzufangen.“ Dabei dachte sie nicht nur an sich selbst, sondern auch an das Umfeld, das sie ihren zukünftigen Doktorand:innen bieten könnte. „Abgesehen vom großzügigen Gehalt bedeutet die Zugehörigkeit zum CISPA, dass sie viel mehr lernen werden als nur ihr eigenes Forschungsthema. Sie werden mit vielen verschiedenen Sicherheits- und Datenschutzthemen in Berührung kommen können – etwas, das mir während meiner eigenen Promotion gefehlt hat, da an der Universität im Vergleich zu einem themenspezifischen Zentrum wie dem CISPA weniger Forschende an diesen Themen arbeiten.“

Ein Blick hinter die Fassade universeller Lösungen

Im Mittelpunkt von Cretus Forschung steht eine einfache, aber grundlegende Frage: Können immer leistungsfähigere KI-Systeme ihre Versprechen einlösen, ohne dabei Privatsphäre, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gefährden? Ihr Interesse gilt insbesondere Technologien, die einen allgemeinen Verwendungszweck versprechen, wie beispielsweise Text-zu-Bild-Modelle. „Die übergeordnete Frage, die mich interessiert, ist, ob wir Systeme mit diesen allgemeinen Fähigkeiten entwickeln können, ohne dabei die Eigenschaften zu opfern, die uns wichtig sind, wie Privatsphäre, Sicherheit und Zuverlässigkeit“, erklärt sie. Anstatt die Fähigkeiten moderner KI für bare Münze zu nehmen, plädiert Cretu für eine strengere Herangehensweise. „Mir ist ein prinzipienorientierterer Ansatz wichtig: Systeme sorgfältig zu bewerten, bevor sie eingesetzt werden, anstatt einfach davon auszugehen, dass sie so funktionieren, wie es beworben wird.“ Letztendlich ist sie davon überzeugt, dass eine gründliche Bewertung der Schlüssel zur Entwicklung von KI-Systemen ist, die sowohl leistungsfähig als auch vertrauenswürdig sind.

Neue Ideen für ihre Forschungsgruppe

Mit dem Antritt ihrer Tenure-Track-Stelle am CISPA baut Cretu nun ihre eigene Forschungsgruppe auf. Viele der Themen, mit denen sie sich in den vergangenen Jahren beschäftigt hat, werden ihre Arbeit auch weiterhin prägen. Eine ihrer Prioritäten ist es, das wissenschaftliche Verständnis von synthetischen Daten zu vertiefen. „Im Bereich des Datenschutzes halte ich synthetische Daten für eine der vielversprechendsten Forschungsrichtungen“, sagt Cretu. „Sie haben sich in den letzten Jahren zu einer sehr beliebten Technologie entwickelt, insbesondere für den DSGVO-konformen Austausch von Daten. Eines meiner Ziele ist es, zu einem fundierteren wissenschaftlichen Verständnis synthetischer Daten beizutragen.“ Ein weiterer Bereich, mit dem sich die Gruppe befassen wird, ist KI-Sicherheit, insbesondere die Sicherheit generativer Bildmodelle. „Ich möchte die Arbeit, die ich auf diesem Gebiet bereits begonnen habe, fortsetzen und Methoden zur Bewertung und Verbesserung dieser Systeme entwickeln“, erklärt Cretu. Außerdem möchte sie eng mit Organisationen zusammenarbeiten, die klar definierte Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen haben. „Die Arbeit an konkreten Anwendungsfällen ermöglicht es der Forschung, außerhalb der Wissenschaft direkte Wirkung zu entfalten“, glaubt Cretu.

Von der Mathematik zur angewandten Grundlagenforschung

Schon in der Schule entwickelte Cretu eine Leidenschaft für Mathematik und nahm mit großem Erfolg an Wettbewerben teil. „Mit zwölf habe ich angefangen, an der Mathematik-Olympiade teilzunehmen. Ich wurde Zweite in meinem Bezirk und habe von da an weitergemacht. Ich habe Mathematik schon immer geliebt, und in der Oberstufe war es mein Traum, Mathematikerin zu werden.“ Ein Mathematikstudium war daher die naheliegende Wahl, insbesondere nachdem sie ein Stipendium für ein Studium in Frankreich erhalten hatte. „Das war wirklich mein Traum, denn Frankreich ist einer der besten Orte der Welt dafür“, erzählt sie. „Irgendwann wurde mir jedoch klar, dass ich anwendungsorientierter arbeiten wollte“, fährt Cretu fort. „Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, meine Karriere damit zu verbringen, ausschließlich an abstrakter Mathematik zu arbeiten. Bevor ich mein Masterstudium begann, wandte ich mich nach und nach der Informatik zu, insbesondere dem maschinellen Lernen, und auf diesem Weg bin ich seitdem geblieben.“ Dennoch prägt die Mathematik auch heute noch ihre Denkweise und ihre Forschungsarbeit. „Mein mathematischer Hintergrund hat mein Interesse an der formalen Behandlung von Sicherheit, Privatsphäre und Zuverlässigkeit im Kontext von KI sowie an der empirischen Bewertung geweckt und daran, ein Verständnis dafür zu entwickeln, warum Schwachstellen existieren und ob sie einem System inhärent sind.“ 

Cretus Ansatz: weniger Projekte, mehr Tiefe

„Derzeit fühlt sich die akademische Welt oft wie ein Zahlenspiel an. Es herrscht ständiger Druck, mehr Artikel zu veröffentlichen und Beiträge bei mehr Konferenzen einzureichen“, sagt Cretu. „Meine eigene Philosophie, die ich von meinen Mentoren gelernt habe, sieht anders aus. Ich halte es für besser, weniger Projekte zu bearbeiten, diese aber tiefergehend und mit größerem Ehrgeiz zu verfolgen.“ Diese Philosophie möchte sie auch an ihre Studierenden weitergeben. „Ich möchte, dass meine Studierenden das Gefühl haben, die Freiheit zu besitzen, sich auf Arbeiten zu konzentrieren, auf die sie wirklich stolz sind, auch wenn dies länger dauert. Mir sind zwei oder drei substanzielle Beiträge lieber als mehrere inkrementelle Artikel.“ Für Cretu geht diese Philosophie Hand in Hand mit einem klaren Verständnis davon, wie gute Wissenschaft aussehen sollte: „Forschung sollte gründlich sein. Es braucht Zeit, die richtigen Fragen zu stellen, Ideen sorgfältig zu bewerten und keine Abstriche in Kauf zu nehmen. Das sind die Werte, die mein Labor verkörpern soll. In gewisser Weise geht es darum, zu den Grundlagen guter Wissenschaft zurückzukehren: sich die Zeit zu nehmen, Dinge richtig zu machen, und stolz auf die Arbeit zu sein, die wir leisten.“ 

Karrierechancen in Europa

Für Cretu bedeutet die Annahme der Tenure-Track-Stelle am CISPA auch die Möglichkeit, ihre Karriere in Europa fortzusetzen und gleichzeitig in der Nähe ihrer Familie in Rumänien zu bleiben. Sie schätzt zudem die Nähe zu Frankreich, wo sie dank Stipendien ihren Bachelor- und Master-Abschluss absolviert hat. Das Einzige, was sie bedauert, ist, dass in Saarbrücken nicht mehr Französisch gesprochen wird. Umso mehr schätzt sie die kostenlosen Deutschkurse, die am CISPA angeboten werden. Neben der Forschung geht Cretu gerne bouldern. Ihre größte Leidenschaft gilt jedoch nach wie vor der Arbeit selbst. „Ich habe mich für eine akademische Laufbahn entschieden, weil mir die Forschung wirklich Spaß macht und ich mir nicht vorstellen kann, etwas anderes zu tun.“