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2026-07-28
Annabelle Theobald

Test-of-Time Award für CISPA-Faculty Prof. Dr. Cas Cremers und Kollegen der ETH Zürich

Vierzehn Jahre nach der Veröffentlichung wird das Paper „Automated Analysis of Diffie-Hellman Protocols and Advanced Security Properties“ auf dem IEEE Computer Security Foundations Symposium (CSF) 2026 mit einem Test-of-Time Award für seinen nachhaltigen wissenschaftlichen Einfluss ausgezeichnet. Die Autoren Prof. Cas Cremers, Prof. David Basin, Dr. Benedikt Schmidt und Dr. Simon Meier schufen mit ihrem neuartigen Ansatz zur automatisierten Sicherheitsanalyse die Grundlage für die Weiterentwicklung automatisierter Werkzeuge zur formalen Verifikation kryptografischer Protokolle.

Mit dem Test-Of-Time-Award würdigt das CSF seit 2023 Arbeiten „von bleibender Bedeutung und herausragender Wirkung“ – eine besondere Ehre für Forschende. Doch worin genau besteht der wissenschaftliche Beitrag der ausgezeichneten Arbeit?

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen moderne Schlüsselaustauschprotokolle, die auf dem Diffie-Hellman-Prinzip beruhen. Das bereits in den 1970er-Jahren entwickelte Verfahren ermöglicht es zwei Kommunikationspartnern, über ein unsicheres Netzwerk einen gemeinsamen geheimen Schlüssel zu vereinbaren, ohne ihn direkt austauschen zu müssen. In den folgenden Jahrzehnten entstanden darauf aufbauend immer komplexere kryptografische Protokolle mit erweiterten Sicherheitsgarantien. Die zugrunde liegenden algebraischen Eigenschaften des Diffie-Hellman-Verfahrens erschwerten jedoch die automatische Sicherheitsanalyse solcher Protokolle erheblich, weil sie von den bestehenden Analysewerkzeugen nicht vollständig erfasst werden konnten.

Diese Lücke konnten Prof. David Basin vom Departement für Informatik der ETH Zürich, seine damaligen Doktoranden Dr. Benedikt Schmidt und Dr. Simon Meier sowie sein ehemaliger Postdoc und heutiger CISPA-Faculty Prof. Cas Cremers mit ihrer Arbeit schließen. Die Forschenden entwickelten einen allgemeinen formalen Rahmen, in dem sich sowohl kryptografische Protokolle als auch ihre Sicherheitseigenschaften mathematisch beschreiben lassen. Auf dieser Grundlage entwarfen sie einen neuartigen Analysealgorithmus, der systematisch alle möglichen Abläufe eines Protokolls untersucht. Dieser Algorithmus kann automatisch nachweisen, dass ein Protokoll die gewünschten Sicherheitseigenschaften erfüllt oder einen Beweis für die Falsifikation dieser Eigenschaften erbringen, was einem Angriff auf das Protokoll entspricht. Die Forschenden implementierten ihren neuartigen Analysealgorithmus auch im Tamarin Prover. Das Paper beschreibt den Kernalgorithmus, der die Grundlage für einen Großteil der späteren Weiterentwicklung des Tools bildete.

Warum ist die Arbeit heute noch relevant?

Die Autoren demonstrierten die Leistungsfähigkeit ihres Ansatzes an anspruchsvollen Fallstudien, darunter dem damals hochmodernen NAXOS-Protokoll. Sie zeigten, dass sich auch komplexe kryptografische Protokolle automatisch auf ihre Sicherheit überprüfen lassen.

Seit ihrer Veröffentlichung haben die in der Arbeit entwickelten Methoden zahlreiche nachfolgende Arbeiten im Bereich der formalen Sicherheitsanalyse beeinflusst. Auch der Tamarin Prover selbst hat sich erheblich weiterentwickelt: Im Laufe der Jahre wurde sein Anwendungsbereich deutlich über die ursprünglich in der Arbeit betrachtete Klasse von Protokollen hinaus erweitert. Heute gilt er als eines der weltweit führenden Werkzeuge zur Modellierung und Analyse kryptografischer Protokolle. Erst kürzlich wurden David Basin und Cas Cremers sowie Dr. Ralf Sasse und Dr. Jannik Dreier auf der Real World Cryptography Conference für ihre Beiträge zur Entwicklung des Tamarin Provers mit dem renommierten Levchin-Preis ausgezeichnet.

Die Sicherheitsprotokolle, die Tamarin analysieren kann, bilden nach wie vor die Grundlage für Anwendungen wie Online-Banking, sichere Webkommunikation, Messaging-Dienste und viele andere sicherheitskritische Systeme.

ÜBER DIE AUTOREN

Professor Cas Cremers ist seit 2018 leitender Wissenschaftler am CISPA. Er promovierte 2006 an der Technischen Universität Eindhoven. Von 2006 bis 2013 war er als Postdoktorand, leitender Forscher und Dozent in der Gruppe von David Basin an der ETH Zürich tätig. Anschließend wurde er zum außerordentlichen Professor an der Universität Oxford berufen und 2015 dort zum Professor für Informationssicherheit ernannt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Informationssicherheit, Analyse kryptografischer Protokolle und der Entwicklung formaler Verifikationswerkzeuge mit sowohl theoretischer als auch praktischer Relevanz. 

Professor David Basin ist seit 2003 ordentlicher Professor an der ETH Zürich und forscht am Institut für Informationssicherheit (D-INFK). Er promovierte an der Cornell University und war vor seinem Wechsel an die ETH Zürich an der University of Edinburgh, am Max-Planck-Institut für Informatik und an der Universität Freiburg tätig. Professor Basins Forschungsschwerpunkt liegt auf Methoden und Werkzeugen zum Aufbau sicherer und zuverlässiger Informationssysteme. Er ist Chefredakteur der Buchreihe des Springer-Verlags zu den Themen Informationssicherheit und Kryptografie sowie war von 2015 bis 2020 Chefredakteur der „ACM Transactions on Privacy and Security“. Zudem war er Gründungsdirektor des Zurich Information Security Center (ZISC) und ist Fellow sowohl der ACM als auch des IEEE.

Dr. Benedikt Schmidt ist Softwareentwickler bei Snowflake. Er promovierte 2012 an der ETH Zürich unter der Betreuung von Professor David Basin. Danach war er als Postdoktorand am IMDEA Software Institute in Madrid tätig, bevor er zu Google wechselte. Schmidts Forschungsschwerpunkt liegt auf der formalen Verifikation kryptografischer Primitive und Protokolle sowie auf der automatisierten Analyse von Sicherheitsprotokollen. Er hat an Verifikationswerkzeugen wie Tamarin und EasyCrypt mitgewirkt und ist einer der Hauptentwickler des Jasmin-Compilers, von AutoG&P und des Generic Group Analyzer für hochsichere kryptografische Software und Beweise.

Dr. Simon Meier ist Distinguished Software Engineer bei Digital Asset, wo er die Entwicklung einer rein funktionalen Smart-Contract-Sprache und der dazugehörigen Werkzeuge leitet. Er promovierte 2012 in Informatik an der ETH Zürich, wo er Teil der Information Security Group unter David Basin war. Während seiner Promotion war er an der Entwicklung des Sicherheitsprotokoll-Verifikators „Tamarin“ beteiligt und arbeitete an der maschinengestützten Protokollverifikation in Isabelle/HOL. Meiers Forschungsschwerpunkt liegt auf formalen Methoden für die Sicherheit, insbesondere auf der automatisierten und maschinengestützten Verifikation kryptografischer Protokolle und Systeme sowie auf funktionaler Programmierung für hochsichere Software.