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2026-04-13
Annabelle Theobald

¡Hola! Sonne, Schweiß und Schlafentzug beim Hackathon in Spanien

An der Costa del Maresme, nur wenige Kilometer nordöstlich von Barcelona, warteten am 11. und 12. April nicht nur weiße Strände und traumhafte 24 Grad auf die Teilnehmenden, sondern auch drei anspruchsvolle Aufgaben. Das Team „CDL Chorrico de Limon“ hat es geschafft, sie am effektivsten zu lösen. Zusammen mit den Zweit- und Drittplatzierten ziehen sie nach diesem fünften regionalen Vorentscheid der CISPA European Cybersecurity & AI Hackathon Championship ins große Finale im Sommer ein.

In unseren Hackathon Headquarters am TecnoCampus in Mataró in Spanien sind die Temperaturen vergleichsweise kühl, während draußen die Sonne heiß auf den Asphalt knallt. Im roten Backsteinquader, das Meer nur etwa 100 Meter Luftlinie entfernt, sitzen die Teams und haben schon kurz nach der Eröffnung des Wettbewerbs nur noch Augen und Hirn für die Aufgaben auf ihren Laptops. Wer nicht selbst im Bereich Informatik oder Machine Learning forscht, erkennt auf den Displays nur ellenlange Zahlenreihen.

Die Blackbox knacken

Woran sich die Teams die Zähne ausbeißen? An Herausforderungen wie der, sensible Eigenschaften von Trainingsdaten allein aus den Vorhersagen eines Modells zu erschließen. „Die Teilnehmenden arbeiten mit einer Blackbox. Sie haben also keine Ahnung, wie das Modell vor ihnen aufgebaut ist. Sie entwickeln eine Art Schattenmodell, um anhand der Antworten herauszufinden, welche Modelle mit einer unausgewogenen Patient:innenpopulation trainiert wurden. Das bedeutet, dass zum Beispiel mehr Daten von Männern als von Frauen im Trainingsdatensatz enthalten sind. Die Trainingsdaten selbst sehen die Teams nie“, erklärt Aditya Kumar. Er ist Forscher im SprintML-Lab, das die beiden wissenschaftlichen Organisator:innen Franziska Boenisch und Adam Dziedzic am CISPA leiten. Beim Hackathon ist Aditya Teil des Helferteams, das die Hackathlet:innen betreut.

Angreifen, um zu verstehen

Der Sinn hinter den Herausforderungen im Wettbewerb: Nur wenn Forschende verstehen, wo und wie KI-Modelle und Sicherheitsmechanismen angreifbar sind, können sie gezielt an Methoden arbeiten, die KI-Modelle sicherer und vertrauenswürdig machen. Genau das ist auch das alltägliche Ziel von Franziska, Adam und ihrem SprintML-Lab. Welche Eigenschaften KI haben muss, um unser Vertrauen zu verdienen, hatte Jesse Cresswell von Layer 6 AI in seiner Keynote zu Beginn des Events für die Teilnehmenden nochmals definiert: Laut dem Forscher muss KI robust, fair und erklärbar sein und die Privatsphäre schützen, um vertrauenswürdig zu sein. Zudem sei wichtig, dass die Modelle ihre eigene Unsicherheit und die Genauigkeit ihrer Entscheidungen einschätzen können. Er appelliert an die Teilnehmenden in ihrer Forschung Systeme immer als Ganzes zu betrachten, statt sich isoliert auf einzelne Aspekte zu konzentrieren.

24 Stunden volle Konzentration

Beim Hackathon ist jetzt aber erstmal Fokus gefragt. Die Zeit schreitet unerbittlich voran, und die Teilnehmenden nehmen sich nicht einmal die Zeit, in Ruhe zu essen. Tapas und Pizza liegen neben den mittlerweile ordentlich warm gelaufenen Laptops und formen zusammen mit Kaffeebechern, Bananenschalen und Energy-Drink-Dosen seltsame Kunstwerke auf den Tischen. Adam erklärt: „Hackathons wie dieser sind so viel interessanter als Vorlesungen oder Seminare, weil die Teilnehmenden die gehörte Theorie sofort in Anwendung bringen können.“ Infosessions vor dem Hackathon und eine engmaschige Betreuung währenddessen helfen den Teilnehmenden zudem, die Aufgaben anzugehen. „Man merkt, dass ein Team die Aufgabe wirklich verstanden hat, wenn es seinen Ansatz und dessen Funktionsweise verständlich erklären kann. Wir geben uns große Mühe, die Ziele klar zu formulieren, von der Einführungssitzung bis hin zu den Aufgabenbeschreibungen. Den Unterschied macht am Ende, wie gründlich die Teams die Probleme durchdacht haben.“

Die Nacht zum Tag gemacht

Teilweise ausgestattet mit Schlafsäcken und Wechselkleidung machen sich die Hackathlet:innen bereit für die Nacht, in der die meisten am Ende wenig bis gar nicht schlafen werden. Höchstens eine kleine „Siesta“, wie mir ein Teilnehmer mit einem müden Augenzwinkern erklärt. Verständlich also, dass die Augen der Teilnehmenden bei der Präsentation ihrer Ergebnisse am nächsten Tag klein sind und die Gesichter trotz Frühlingsbräune eher fahl. Nachdem alle ihre Lösungsansätze präsentiert haben, zieht sich die Jury noch einmal kurz zurück, bevor die Siegerehrung das Ende eines langen Tages für die Wettbewerber:innen einläutet. Platz 1 geht an Miguel Requena Micó, Javier Polo Gambin, Domingo Méndez García und Juan Luis Gomez Gomez vom Team „CDL Chorrico de Limon“!

„Es war chaotisch. Aber, gut chaotisch“

Was nehmen sie außer dem goldenen Ticket ins Finale von diesem Hackathon für sich mit? „In meinem Studium konzentriere ich mich eher auf Cybersicherheit. Ich habe hier viel Neues im Bereich Machine Leaning gelernt“, sagt Miguel. Sein Teamkollege Javier pflichtet ihm bei: „Mir geht es ebenso. Nur konzentriere ich mich sonst aufs Machine Learning und fand die Aufgaben an der Schnittstelle beider Felder sehr spannend.“ Domingo gibt zu: „Wir haben uns sehr lange wirklich nicht als mögliche Kandidaten für den Sieg gesehen. Am Anfang waren wir im Ranking noch eher schlecht. Dann haben wir uns Schritt für Schritt weiter nach oben gearbeitet.“ Erst in der letzten Stunde des Hackathons seien sie dann entscheidend vorangekommen. Was war ihr Erfolgsgeheimnis? „Wir haben wirklich gut zusammengearbeitet, weil wir uns mittlerweile gut kennen. Wir studieren zusammen an der Universidad de Murcia im Südosten Spaniens und können auch die Stärken und Schwächen der anderen einschätzen. So konnten wir uns die Aufgaben auch sehr gut aufteilen“, erklärt Juan Luis. Und Javier fügt lachend hinzu: „Es war schon chaotisch. Aber gut chaotisch.“

 
Unser Team in Barcelona

 

Über die Hackathon Championship

Die CISPA European Cybersecurity & AI Hackathon Championship ist ein europaweiter Wettbewerb, der von November 2025 bis Juni 2026 vom CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit organisiert wird. In regionalen Vorentscheiden in großen europäischen Universitätsstädten treten Bachelor- und Masterstudierende in Teams von bis zu vier Personen an, um innerhalb von 24 Stunden Herausforderungen aus den Bereichen KI und Cybersicherheit zu lösen. Die Gewinner:innen der einzelnen Städte qualifizieren sich für das große Finale in St. Ingbert, wo sie um Geldpreise, Trophäen und Zertifikate konkurrieren. Durch die Zusammenführung junger Talente aus ganz Europa soll diese Meisterschaft nicht nur Innovation und Kompetenzen in vertrauenswürdiger KI und Cybersicherheit fördern, sondern auch eine gesamteuropäische Gemeinschaft aufbauen, die sich der Sicherung unserer digitalen Zukunft verschrieben hat.