Coding im Münchner Frühling: Die CISPA Hackathon Championship an der TUM
Die ersten warmen Strahlen der Frühlingssonne fallen durch die Fenster des Gebäudes der School of Computing, Information and Technology der Technischen Universität München (TUM). Gruppen junger Forschender stehen zusammen, und eine vibrierende Spannung liegt in der Luft. Für die nächsten 24 Stunden wird das bekannte Campus-Gebäude der TUM ihr Arbeitsplatz sein. Sie sind zusammengekommen, um im vierten regionalen Vorentscheid der CISPA European Cybersecurity & AI Hackathon Championship gegeneinander anzutreten. Innerhalb eines einzigen Tages sollen sie drei aus der Forschung stammende Aufgaben an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit lösen, ohne jede Möglichkeit auf Verlängerung.
Forschungsprozess reduziert auf 24 Stunden
Nach einem Willkommensgruß des Gastgebers Prof. Dr. Bernd Finkbeiner (TUM/CISPA) startet der Wettbewerb mit einer inhaltlichen Einführung durch die Initiator:innen der Championship, die CISPA-Faculty Dr. Franziska Boenisch und Dr. Adam Dziedzic. Sie stellen die drei Aufgaben vor, an denen die Teams in den kommenden 24 Stunden arbeiten werden. Jede davon ist von realen Forschungsproblemen abgeleitet, die derzeit in der KI- und Cybersicherheits-Community diskutiert werden. Ihre Lösung erfordert sowohl theoretisches Verständnis als auch praktische Experimentierfreudigkeit, ganz ähnlich wie die tägliche Arbeit von Forschenden. Die Themen reichen von der Robustheit von Modellen bis zu vertrauenswürdiger KI und gewinnen zunehmend an Bedeutung, da KI-Systeme immer stärker in alltägliche Anwendungen Einzug halten.
Von ersten Ideen zu einer langen Nacht voller Code
Nach der Vorstellung der Aufgaben finden sich die Teams zusammen und ziehen sich an einzelne Arbeitsplätze zurück. Zunächst richten sich die Teilnehmenden ein, bevor die eigentliche Arbeitsphase beginnt. Einige Teilnehmende beginnen damit, wissenschaftliche Veröffentlichungen zu den Themen der Aufgaben zu lesen, andere testen erste Prototypenmodelle. Ob strategisch geplantes Vorgehen oder Trial-and-Error, es gibt viele Wege ans Ziel. Als der Abend näher rückt, verändert sich der Rhythmus. Ein warmes Abendessen bringt willkommene Stärkung. Gespräche entfernen sich kurz von Code und Modellen und drehen sich stattdessen um Studium, Karrierewege und Erfahrungen in der Informatikforschung.
Eine Nachtschicht als verdichteter Forschungsprozess
Als über München die Dunkelheit hereinbricht, geht die Arbeit weiter. Die Rangliste, die die Einreichungen der Teams verfolgt, verändert sich ständig, während neue Lösungen hochgeladen und bewertet werden. Einige Teams wechseln sich in Schichten ab, um ihre Projekte voranzubringen und zwischendurch ein wenig Schlaf zu ergattern. Andere entscheiden sich dafür, die ganze Nacht durchzuarbeiten und ihren Code immer wieder anzupassen sowie Modelle neu zu trainieren. Diese Intensität macht Hackathons so besonders. In nur 24 Stunden erleben die Teilnehmenden eine verdichtete Version des Forschungsprozesses. Sie stellen Hypothesen auf, testen Ideen, stoßen auf Hindernisse und versuchen es erneut.
Endspurt zur Kür der Gewinnerteams
Am frühen Morgen ist die Müdigkeit im Raum deutlich sichtbar. Doch mit den Abschlusspräsentationen steht die entscheidende Phase des Wettbewerbs steht noch bevor. Darin zeigen die Teams, wie sie die Aufgaben analysiert haben, welche Methoden sie eingesetzt haben und welche Herausforderungen sie überwinden mussten. Alle Teammitglieder müssen gemeinsam auf die Bühne, und niemand ist vor den kritischen Nachfragen der Jury gefeit. Entscheidend ist nicht nur, eine überzeugende Lösung eingereicht zu haben, sondern diese auch fundiert begründen zu können. Letztlich können die Teams Pentagon, Team ZOS und CATByte die Jury überzeugen. Mit ihren Ansätzen stechen sie besonders hervor und qualifizieren sich damit für das Finale am CISPA in St. Ingbert im Juli 2026.
Zwei Keynotes als besonderer Leckerbissen
Im Unterschied zu den bisherigen Hackathons stehen in München auch zwei Keynotes auf dem Programm. Am Samstag spricht Prof. Dr. Stephan Günnemann von der TUM über „Reliable AI: Making Models Robust Enough to Survive Hackathons“. Sein Vortrag verbindet grundlegende Forschungsfragen mit den praktischen Herausforderungen, denen sich die Teilnehmenden unmittelbar stellen müssen. Am Sonntag referiert Prof. Dr. Nicolas Papernot (University of Toronto) zum Thema „LLM Dataset Inference: Did you train on my dataset?“. Er zeigt auf, dass die Aufgaben des Hackathons auf Grundlagen aufbauen, die durch seine Forschung mitgeprägt wurden. „Teilnehmer des Hackathons zeigten großes Engagement für das Thema Datensatz-Inferenz und brachten durch ihre aufschlussreichen Fragen viele interessante Diskussionen in Gang“, berichtet Papernot begeistert. „Ein großes Lob an Franziska und Adam für die Organisation der Veranstaltung!“
Inspiration für zukünftige Forschende
Die Keynotes zeigen einmal mehr das über den Wettbewerb hinaus reichende Ziel der Championship auf, junge Talente mit der Forschungsgemeinschaft zu vernetzen. Viele Teilnehmende studieren derzeit Informatik, Data Science oder verwandte Fächer. Für sie bietet der Hackathon nicht nur einen praxisnahen Einblick, wie Forschung im Bereich KI und Cybersicherheit umgesetzt wird, sondern eröffnet auch die Möglichkeit zum direkten Austausch mit führenden internationalen Wissenschaftler:innen. Möglich wird dies durch die Kooperation zwischen CISPA und der TUM, die die Austragung des vierten Vorentscheids der Championship in München ermöglicht hat. Die enge Verbindung von Wettbewerb und aktueller Forschung zeigt sich außerdem in der nahezu gleichzeitig in München stattfindenden IEEE Conference on Secure and Trustworthy Machine Learning (SaTML 2026), deren Co-Chair CISPA-Faculty Lea Schönherr ist.
Der nächste regionale Vorentscheid findet am 11. und 12. April 2026 in Barcelona statt.
Unser Team in München
Über die Hackathon Championship
Die CISPA European Cybersecurity & AI Hackathon Championship ist ein europaweiter Wettbewerb, der von November 2025 bis Juni 2026 vom CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit organisiert wird. In regionalen Vorentscheiden in großen europäischen Universitätsstädten treten Bachelor- und Masterstudierende in Teams von bis zu vier Personen an, um innerhalb von 24 Stunden Herausforderungen aus den Bereichen KI und Cybersicherheit zu lösen. Die Gewinner:innen der einzelnen Städte qualifizieren sich für das große Finale in St. Ingbert, wo sie um Geldpreise, Trophäen und Zertifikate konkurrieren. Durch die Zusammenführung junger Talente aus ganz Europa soll diese Meisterschaft nicht nur Innovation und Kompetenzen in vertrauenswürdiger KI und Cybersicherheit fördern, sondern auch eine gesamteuropäische Gemeinschaft aufbauen, die sich der Sicherung unserer digitalen Zukunft verschrieben hat.