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2026-03-31
Annabelle Theobald

„Wir arbeiten hier an ungelösten Problemen und das mit großer Freiheit.“

Keno Hassler forscht am CISPA und vertritt als Doktorandenvertreter am CISPA und bei den Helmholtz Juniors gemeinsam mit Kolleg:innen die Interessen des wissenschaftlichen Nachwuchses. Im Gespräch erzählt er, wie er seine Forschungsarbeit organisiert, was ihn antreibt und warum ihm faire Bedingungen in der Wissenschaft am Herzen liegen.

Hallo Keno, warum hast du dich für eine Promotion am CISPA entschieden?

Da kamen mehrere Faktoren zusammen. Die Nähe zu meiner Heimat hat eine Rolle gespielt – ich komme aus Rheinland-Pfalz, also war es logistisch attraktiv. Vor allem aber war die Exzellenz des CISPA ausschlaggebend. Ein großes Argument, mich hier zu bewerben, war die mögliche Zusammenarbeit mit Thorsten Holz. Der Betreuer meiner Masterarbeit hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass Thorsten Doktoranden suchte und ich wurde dann auch tatsächlich sein erstes Gruppenmitglied am CISPA. Außerdem waren die Bedingungen, die am CISPA geboten werden, sehr attraktiv: Eine Vollzeitstelle zu haben und zu promovieren – das gibt es leider nicht überall.

Wie hast du herausgefunden, was genau dich interessiert und in welchem Bereich du forschen möchtest? 

Anfangs bin ich da ein bisschen hineingestolpert. Ich habe herumprobiert, was mir liegt und was mir Spaß macht. Im Masterstudium hat sich dann Systemsicherheit als Schwerpunkt herauskristallisiert. Es macht Spaß, Programme 'kaputt zu spielen' – wir machen das aber auf ethische Weise und mit dem Anspruch, die Systeme sicherer zu machen. 

Was ist das Besondere an der Forschungsumgebung am CISPA?

Ganz klar: die Arbeitsatmosphäre und die Vielfalt. Wir haben hier sehr flache Hierarchien.  Ich kann jederzeit mit allen reden, von Kolleg:innen bis zu den Faculty. Und wir haben eine tolle Mischung: Kolleg:innen aus unterschiedlichsten Forschungsbereichen, aber auch genügend Leute, die sich in meinem Fachgebiet auskennen. Gerade bei meinem Thema Fuzzing sind wir mehrere Expert:innen. Das eröffnet viele Möglichkeiten für Austausch und Kollaboration. An einem kleinen Lehrstuhl wäre ich vermutlich oft auf mich allein gestellt. Hier ist das anders.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? 

Sehr selbststrukturiert. Mir hilft es, feste Bürozeiten zu haben. Ich plane meine Arbeitspakete ein paar Tage im Voraus und habe meistens ein Hauptprojekt und ein Nebenprojekt. Mit der Zeit entwickelt man eine Struktur – schon während der Masterarbeit habe ich gemerkt, dass ich die brauche, um voranzukommen. Bei uns in der Gruppe wird meist schon früh im Prozess über Projektideen gesprochen, und dann bringen viele ihre Ideen ein. In anderen Gruppen arbeiten manche eher für sich allein – bei uns ist es kollaborativer.

Welche Herausforderungen begegnen dir im Promotionsalltag?

Es gibt einen gewissen Leistungsdruck, klar. Aber das hängt sehr von der betreuenden Person ab. Thorsten schafft es, dass ich mich herausgefordert fühle, aber nicht unter Druck gesetzt. Oft baut man sich den größten Druck ohnehin selbst auf, durch die eigenen Ziele, die man auch nicht immer erreicht.

Was motiviert dich, weiterzumachen?

Mich motiviert, dass wir hier an wirklich spannenden, ungelösten Problemen arbeiten können – und das mit großer Freiheit. In vielen Wirtschaftsberufen ist das undenkbar. Außerdem ist die Arbeitsatmosphäre am CISPA toll. 

Welche Angebote am CISPA findest du besonders hilfreich?

Als ich hier angefangen habe, gab es das strukturierte PhD-Trainingsprogramm, das wir jetzt haben, noch nicht. Ich finde da haben wir uns gut weiterentwickelt. Zum Beispiel gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten zur Karriereorientierung, etwa ein paar Monate lang Erfahrungen in der Industrie oder in anderen Forschungsinstitutionen zu sammeln. Ich habe auch das PhD-Retreat, das in diesem Jahr zum ersten Mal angeboten wurde, sehr genossen. Es war bereichernd, sich mit den anderen Doktorand:innen über Forschungsprobleme und andere Herausforderungen auszutauschen. Zudem ist das Workshop-Angebot am CISPA sehr hilfreich. Ich habe zum Beispiel mal einen Zeitmanagement-Workshop besucht, den kann ich nur empfehlen. 

Du bist auch bei den Helmholtz Juniors aktiv. Was macht ihr dort?

Das ist die Doktorand:innenvertretung innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft. Wir setzen uns für bessere Arbeitsbedingungen ein – faire Bezahlung, bessere Verträge, weniger psychologischen Druck. Das CISPA ist in vielen Dingen schon ein Vorbild, aber natürlich lässt sich immer noch was verbessern. Ein großes Thema für Forschende ist die im deutschen Wissenschaftssystem herrschende Unsicherheit. Nach der Promotion wird man Postdoc und hat als solcher nur befristete Verträge, und die Uhr tickt. Nach sechs Jahren muss man entweder eine Professur haben, oder es bleibt nur der Ausweg in die Industrie. Für Leute mit Familie ist das extrem schwierig. Das Problem lässt sich aber auch nicht einfach durch unbefristete Verträge lösen, weil natürlich auch wichtig ist, dass es immer wieder Austausch in der Forschung gibt, um neuen Ideen Platz zu machen. Seit 2021 ist mit einer Protestaktion vieler Forschender, die unter dem Hashtag „IchBinHanna“ bekannt geworden ist, Bewegung in die Debatte gekommen und das Wissenschaftszeitvertragsgesetz soll novelliert werden.

Möchtest du in der Academia bleiben?

Da bin ich noch unentschieden. Ich liebe die Freiheit in der Forschung, das findet man in der Industrie so nicht. Aber es ist manchmal auch frustrierend, wenn Paper abgelehnt werden oder Ideen lange nicht aufgehen. Ich könnte mir vorstellen, dass es mich auch reizen könnte, an einem konkreten Produkt zu arbeiten.

Welche Rolle spielen Themen wie Gleichstellung und Diversität in deiner Arbeit als Doktorandenvertreter?

In der Informatik sind Frauen stark unterrepräsentiert. Das fängt schon früh an, schon im Studium ist der Frauenanteil viel zu gering. Auf der anderen Seite entstehen dadurch natürlich Gleichstellungsprobleme. Ich habe innerhalb der Community zwar noch keine direkte Diskriminierung beobachtet, aber wir achten als Doktorandenvertretung natürlich bei unserer Arbeit darauf, auch die weibliche Perspektive zu berücksichtigen und einzufordern. Um das Grundproblem zu beheben, müssen wir aber vor allem das falsche gesellschaftliche Bild von Informatik korrigieren. 

Was würdest du jemandem raten, der überlegt, am CISPA zu promovieren?

Das hängt stark von deiner Motivation ab. Allein der Titel oder bessere Verdienstchancen sollten nicht der Antrieb sein. Wichtiger ist ein echtes Interesse an deinem Forschungsthema und die Freude am Lernen. Wenn du Spaß daran hast, dich mit neuen und herausfordernden Problemen auseinanderzusetzen, bist du hier genau am richtigen Ort.

Mehr Infos und Geschichten zur Promotion und Postdoc-Phase am CISPA gibt es auch in unserem neuesten CISPA Zine.