Helmholtz-Präsident Martin Keller zu Besuch am CISPA
Nach der Vorstellung des Zentrums durch CEO und Gründungsdirektor Michael Backes besuchte Martin Keller gemeinsam mit der Helmholtz-Geschäftsführerin Sabine Helling-Mögen sowie weiteren Gästen aus der Helmholtz-Geschäftsstelle verschiedene Forschungsgruppen. Sie gaben Einblicke in zentrale Arbeitsfelder des CISPA, von sicherer Soft- und Hardware bis hin zu vertrauenswürdiger KI.
Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit KI-Systeme unser Vertrauen rechtfertigen, demonstrierten die CISPA-Faculty Dr. Franziska Boenisch und Dr. Adam Dziedzic im Gespräch mit Keller. Im Zentrum stehen für die Forschenden und ihre Gruppe „SprintML-Lab“ Fragen von Sicherheit, Robustheit, Privatsphäreschutz, Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen von KI. Sie präsentierten aktuelle Arbeiten zu Wasserzeichen für KI-generierte Inhalte bis hin zu neuen Ansätzen für den Privatsphäreschutz beim Modell-Training.
Bei der nächsten Station ging es um die Sicherheit komplexer Softwaresysteme. José Antonio Amuda Zamaya aus der Forschungsgruppe von Andreas Zeller demonstrierte Keller mit dem Fuzzer Fandango, wie sich Programme gezielt auf Schwachstellen testen lassen. Statt zufälliger Eingaben erzeugt das System optimierte Testfälle und kann so auch tief liegende Fehler sichtbar machen. Fandango wird bereits von Unternehmen wie Bosch und Volkswagen eingesetzt.
Wie angreifbar technische Systeme im Alltag sind, wurde beim Besuch der Forschungsgruppe von CISPA-Faculty Ali Abbasi deutlich. Anhand des Honeypot-Frameworks HoneySat zeigte das Team Keller, wie sich Angriffe auf Satelliten unter realistischen Bedingungen simulieren und analysieren lassen – ein bislang kaum beleuchtetes Forschungsthema.
Noch grundlegender wurde es im Austausch mit CISPA-Faculty Michael Schwarz: Hier ging es um Schwachstellen moderner Prozessoren. Keller ließ sich erläutern, wie sogenannte Seitenkanäle es ermöglichen, trotz Schutzmechanismen auf sensible Daten zuzugreifen.
Zum Abschluss der Forschungseinblicke erlebte der Helmholtz-Präsident im Flugsimulator, wie das Monitoring-Framework RTLola in sicherheitskritischen Systemen arbeitet. Entwickelt in der Gruppe von Bernd Finkbeiner, erkennt es Abweichungen von definierten Regeln in Echtzeit.
Im Anschluss sprach Keller mit Nachwuchsforschenden über aktuelle Projekte, Karrierewege und Rahmenbedingungen in der Wissenschaft.
Ein weiterer Schwerpunkt des Besuchs lag auf dem Technologietransfer am CISPA. Dabei wurde sichtbar, wie Ausgründungen bereits in frühen Phasen unterstützt werden: So stellte Nazligül Keske ihr geplantes Startup im Bereich OT-Security vor. Sie ist Alumna des ersten Laufs des CISPA Founders Fellowship Programms und erfolgreiches Beispiel für den Weg von der ersten Idee hin zur bald anstehenden Ausgründung. Dominik Steinhöfel präsentierte sein Startup InputLab, das an Lösungen arbeitet, um Testdaten für Banken und Versicherungen sicher und zugleich praktikabel nutzbar zu machen. Tim Walita präsentierte die Arbeit von Detesia. Das Startup entwickelt Technologien zur Erkennung von Deepfakes und war zuletzt an der Analyse medial verbreiteter Fälschungen beteiligt. Maximilian von Lonski von VISS stellte Keller sein Hardware-basiertes Sicherheitskonzept vor, das Rechner gegen Angriffe absichern soll und derzeit im NATO-DIANA-Programm gefördert wird. Im Austausch mit Keller sprachen die Gründer:innen auch über Herausforderungen im Gründungsprozess und bei der Überführung von Forschungsergebnissen in marktfähige Anwendungen.
Forschung muss echte gesellschaftliche Veränderung bringen und die drängenden Herausforderungen unserer Zeit angehen. Das ist nicht nur das Credo des CISPA, sondern auch die Haltung von Martin Keller – eine große Aufgabe für die gesamte Helmholtz-Gemeinschaft. CISPA-Forschende tragen mit ihrer Forschung zu sicheren zuverlässigen, effizienten und vertrauenswürdigen Systemen maßgeblich zu einer besseren digitalen Zukunft bei.
Martin Keller war vor seiner Wahl zum Helmholtz-Präsident im vergangenen Jahr rund zehn Jahre lang Direktor des National Renewable Energy Laboratory (NREL) in Golden, Colorado, USA, und Präsident der Alliance for Sustainable Energy – dem Unternehmen, das das NREL für das US-Energieministerium betreibt. Von 2006 bis 2015 war er in leitenden Positionen am Oak Ridge National Laboratory tätig, zuletzt als Associate Laboratory Director for Energy and Environmental Sciences. Der gebürtige Deutsche studierte an der Universität Regensburg und promovierte in Mikrobiologie.