Unsere neue Faculty: Dr. Jane Im, Expertin für Mensch-Computer-Interaktion
Ihre Wahlheimat USA zu verlassen und sich nach Europa aufzumachen, war für die südkoreanische Forscherin kein einfacher Schritt. Die Interviews während der Tenure-Track-Bewerbung haben sie jedoch davon überzeugt, dass das CISPA der richtige Ort für sie und ihre Forschungsthemen ist. „Die Fragen der CISPA-Faculty waren spannend und relevant. Ich hatte sofort den Eindruck, dass man mich so sieht, wie ich bin, und dass interdisziplinäre Forschung hier wirklich geschätzt wird“, fasst sie ihre Eindrücke zusammen. „Anfangs hatte ich ein bisschen Sorge, ob meine Forschung im Bereich Mensch-Computer-Interaktion vielleicht zu wenig sicherheitsbezogen ist. Aber das hat sich sofort gelegt. Ich habe erkannt, wie viele Schnittstellen es zwischen meiner Arbeit und der anderer Faculty gibt. Die Kolleg:innen hier sind großartig, und die Ressourcen, die man als Faculty bekommt, sind fantastisch.“
Soziale Medien aus der Nutzer:innen-Perspektive neu denken
Innerhalb des Bereichs Mensch-Computer-Interaktion liegt Ims Schwerpunkt auf der Gestaltung und dem Bau interaktiver Systeme sowie darauf, wie Menschen diese tatsächlich nutzen. „Ich konzentriere mich darauf, soziale Medien aus der Perspektive von Consent (zu deutsch Einwilligung oder Zustimmung) neu zu gestalten“, erklärt sie. „Consent ist in Security und Privacy ein viel diskutiertes Thema, aber in meiner Promotion habe ich vorgeschlagen, dass wir Consent auch aus einer feministischen Perspektive betrachten sollten. Feministische Forschung zeigt, dass Menschen – besonders Frauen – durch Machtungleichgewichte sexualisierte Gewalt erfahren. Conenst ist ein Konzept, bei dem es letztendlich darum geht, denjenigen, die tendenziell schutzbedürftig sind, mehr Handlungsfähigkeit zu geben. Ich argumentiere, dass wir diese Logik auch auf Technologien anwenden können.“ Im plant jedoch nicht nur neue, auf Consent basierende Systemdesigns. Sie denkt auch über die auf Werbung basierenden Geschäftsmodelle bestehender Plattformen nach und eruiert mögliche Alternativen in Form von Abo-Modellen oder Spendenfinanzierung.
Eigenes Lab
Passend zu diesem Ziel, hat Im ihre Forschungsgruppe „Real-World Interactions & Systems for Change (RISC) Group“ genannt. Ein Projekt aus ihrer Dissertation möchte sie weiterentwickeln: Damals hatte sie den Prototyp eines Social-Media-Systems namens MOA entwickelt, das Nutzer:innen die fein abgestufte Kontrolle darüber gibt, wer Inhalte sehen kann. „Langfristig möchte ich selbst ein soziales Medium entwickeln und betreiben, um groß angelegte Studien durchführen zu können“, erklärt sie. Für ihre Gruppe rekrutiert sie wissenschaftliches Personal, das die Studien durchführen soll, und denkt auch über die Einstellung einer Softwareentwickler:in nach. „Momentan ist das noch schwer umsetzbar, aber ich hoffe, dass es bald möglich sein wird“, sagt sie. Neben diesen praktischen Aufgaben will Im ihre Forschungsergebnisse auch in politische Debatten einbringen, auch wenn dieses Feld für sie Neuland ist.
Herzensthemen Diversität und gleichberechtigte Betreuungsverhältnisse
Diversität ist ein gesellschaftliches Thema, das Im sehr am Herzen liegt. Sie will Forschen, um Menschen mehr Handlungsspielraum zu geben und zwar besonders denjenigen, die wenig davon haben. „Ich interessiere mich für marginalisierte Gruppen, die weniger Zugang zu Technologie haben. Mich treiben Fragen an wie: Wie kann man diesen Gruppen mehr Handlungsfähigkeit geben, damit sie ihre Ziele verfolgen können?“ Eng damit verknüpft ist für sie die Gestaltung des Betreuungsverhältnisses zwischen Doktorand:innen und ihren Betreuer:innen. „An der University of Michigan habe ich als Studentin Initiativen geleitet, um die Kommunikation zwischen Studierenden und den Faculty zu verbessern“, erzählt sie. „Das ist ein Thema, das mir persönlich am Herzen liegt. Jetzt als Faculty ist meine Rolle natürlich eine andere, aber ich denke, dass ich mit meinen Erfahrungen trotzdem Doktorand:innen in Bezug auf ihre Karriere unterstützen kann.“
Schnelle Heimatgefühle im Saarland
Mit dem Saarland ist Im schnell warmgeworden. „Saarbrücken erinnert mich sehr an meine Heimatstadt Seongnam in Südkorea: vieles ist fußläufig erreichbar, es gibt tolle Cafés und Geschäfte und einen Fluss in der Nähe“, erzählt sie. Darüber hinaus schätzt sie die Nähe zu Frankreich, unter anderem weil ihre Schwester dort lebt und damit Familienbesuche einfach möglich sind. Und um ihren Hobby Wandern nachzugehen, gibt es in der Umgebung auch genug Optionen. Denn eines ist Im wichtig: „Für mich ist es wichtig, einen guten Ausgleich zu meiner Arbeit als Forscherin zu haben, um Aufgaben mit Energie und Freude anzugehen.“ Wir dürfen gespannt sein, was Dr. Jane Im in den nächsten Jahren in ihrer Tenure-Track-Phase am CISPA alles bewegen wird.