Hej Hej Stockholm: Valentinsedition des CISPA European Cybersecurity & AI Hackathon Championships in Schweden
Eisige Luft, strahlend blauer Himmel und der Duft von Zimtschnecken: klingt nach einem perfekten Valentins-Wochenende in Stockholm. Doch nur unweit entfernt von den engen Straßen der Altstadt, wo Pärchen diesen Tag romantisch angehen: Studierende, tief über ihre Laptops gebeugt, zerbrechen sich ihre Köpfe über komplexe Aufgaben, ihre Tische voll mit Kaffebechern und Pizzakartons. Knapp 60 Nachwuchsforschende aus den Bereichen KI und Cybersicherheit sind hier zur CISPA European Cybersecurity & AI Hackathon Championship zusammengekommen.
Bei der Begrüßung am Samstagmittag im Hörsaal in Stockholm ist die Vorfreude unter den Studierenden, die aus der ganzen Welt angereist sind, deutlich spürbar. Noch weiß niemand genau, wie das Wochenende ablaufen wird und welche Herausforderungen auf die Teams warten. Die Frage schwebt über den Köpfen der Teilnehmenden: Bin ich der Aufgabe gewachsen?
Doch die Initiator:innen des Projekts, die beiden CISPA-Faculty Dr. Adam Dziedzic und Dr. Franziska Boenisch, schaffen schnell eine offene Atmosphäre. Bei der Hackathon Edition in Stockholm werden sie ebenso von CISPA-Faculty Dr. Thorsten Eisenhofer unterstützt. Schon nach kurzer Zeit sind die Studierenden in Gespräche vertieft, und eine konzentrierte Arbeitsstimmung stellt sich ein.
Gemeinsam mit der Vorstellung der Aufgaben geben die drei CISPA-Faculty auch eine kurze thematische Einführung. „Die Aufgaben sind jedes Mal völlig andere“, erzählt Boenisch in einer Pause. „Wir wollen niemandem einen Vorteil verschaffen und zugleich ein möglichst breites Spektrum an Themen aus den Bereichen KI und Cybersicherheit abdecken. Schön, dass auch unser Kollege Thorsten diesmal mit einer Challenge vertreten ist.“
Aufgaben aus dem Forschungsalltag für den Hackathon
Bei der Challenge gab es drei Aufgaben aus den Bereichen Private Daten und Modelltraining, Fehlklassifizierung von ML-Modellen und Modellzuordnung zu lösen. Um was es dabei genau geht, erklärt Boenisch am ersten Beispiel: „Beim Training von LLMs können unbeabsichtigt sensible oder private Informationen in die Trainingsdaten gelangen. Die Aufgabe zielt darauf ab, eine sogenannte Model Inversion auszunutzen. Teilnehmende sollten anhand von Zugriff auf das Modell versuchen, ursprüngliche Trainingsdaten zu rekonstruieren. Als beste Lösung wird diejenige bewertet, bei der die rekonstruierten Datensätze den ursprünglichen Trainingsdaten möglichst nahekommen.“
Diese Challenge verdeutlicht ein zentrales Problem moderner KI-Systeme: Selbst wenn Trainingsdaten nicht direkt zugänglich sind, können Modelle unter bestimmten Umständen Informationen über ihre Trainingsinhalte preisgeben. Ein Risiko, das am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit intensiv untersucht wird.
Internationale Mitarbeitende des CISPA, darunter auch Mitarbeitende des Scientific Talent Acquisition Team, nutzten die Veranstaltung ebenso, um sich mit Teilnehmenden aus aller Welt zu vernetzen. In den Pausen war die internationale Atmosphäre besonders spürbar: In nahezu jeder Ecke waren Gespräche in unterschiedlichen Sprachen zu hören. Für das CISPA bietet die Hackathon Championship eine hervorragende Gelegenheit, in ungezwungener Atmosphäre mit wissenschaftlichem Nachwuchs ins Gespräch zu kommen. Dabei geht es unter anderem um die Betreuung von Masterarbeiten, Internships am CISPA sowie um allgemeine Fragen zu Karrierewegen in der KI- und Cybersicherheitsforschung.
Die glücklichen Gewinnerteams aus Stockholm
Am Ende können die drei Teams (SeeWeedZ, Polarnutt and The White House) die Jury in Stockholm überzeugen. Die Teilnehmenden befinden sich an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer Karriere: Während einige noch im Bachelorstudium sind, arbeiten andere bereits seit mehreren Jahren im IT-Bereich. Trotz dieser unterschiedlichen Voraussetzungen werden sie sich im Juli 2026 am CISPA mit den Gewinner:innen der anderen Vorentscheide messen. Bis dahin bleibt jedoch noch Zeit zur Vorbereitung und zum intensiven Studium wissenschaftlicher Paper. Denn auch in Stockholm zeigt sich erneut: Die inhaltliche Grundlage vieler Aufgaben bilden Forschungspaper, darunter viele von CISPA-Forschenden.
Nach der Preisverleihung am Sonntagnachmittag und mit langsam nachlassendem Adrenalin leeren sich die Räume an der KTH zusehends. Die Anspannung weicht spürbarer Erschöpfung – sowohl bei den teilnehmenden Teams, von denen viele mit nur kurzen Pausen die Nacht durchgearbeitet haben, als auch beim Organisationsteam.
Denn auch hinter den Kulissen wurde mit vollem Einsatz gearbeitet. Julian Collet, der für das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit die organisatorischen Fäden zusammenhält, zieht ein positives Fazit: „Bei unserem dritten Hackathon sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team aus Administration und Forschung“, berichtet er. „Wir freuen uns auf die kommenden Veranstaltungen, auf neue Herausforderungen – und darauf, viele weitere Nachwuchstalente aus der Cybersicherheitsforschung kennenzulernen.“
Der nächste regionale Vorentscheid findet am 21. und 22. März 2026 in München statt.
© CISPA / Laura Jahke
Über die Hackathon Championship
Die CISPA European Cybersecurity & AI Hackathon Championship ist ein europaweiter Wettbewerb, der von November 2025 bis Juni 2026 vom CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit organisiert wird. In regionalen Vorentscheiden in großen europäischen Universitätsstädten treten Bachelor- und Masterstudierende in Teams von bis zu vier Personen an, um innerhalb von 24 Stunden Herausforderungen aus den Bereichen KI und Cybersicherheit zu lösen. Die Gewinner:innen der einzelnen Städte qualifizieren sich für das große Finale in St. Ingbert, wo sie um Geldpreise, Trophäen und Zertifikate konkurrieren. Durch die Zusammenführung junger Talente aus ganz Europa soll diese Meisterschaft nicht nur Innovation und Kompetenzen in vertrauenswürdiger KI und Cybersicherheit fördern, sondern auch eine gesamteuropäische Gemeinschaft aufbauen, die sich der Sicherung unserer digitalen Zukunft verschrieben hat.