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2025-11-28
Patricia Müller

"Eine innovative Idee aus der Wissenschaft sorgt für viele Vorteile"

Der Startup Monitor 2025 zeigt: Viele erfolgreiche Startups entstehen aus der Wissenschaft heraus. Doch was macht Ausgründungen aus der Wissenschaft so besonders? 3 Fragen an Inputlab-Gründer Dominic Steinhöfel und Forschungsgruppenleiter Prof. Andreas Zeller.

Dominic, was ist schwieriger: Automatisierte Testverfahren semantisch so präzise zu gestalten, dass komplexe Sicherheitslücken zuverlässig gefunden werden oder Investor:innen von seiner Geschäftsidee zu überzeugen?

Dominic Steinhöfel: Gute Frage! Das sind beides richtig schwere Probleme ohne klares "Playbook”. Was leichter ist, kommt auf deine Skills an. Wenn du eine Seriengründerin nach dem zweiten Exit fragst, hat sie das mit den Investor:innen schon ein paarmal gemacht. Und würde es bestimmt besser hinbekommen als ich zum jetzigen Zeitpunkt. Wir Security-Expert:innen sehen bei den Testverfahren vielleicht eher den Pfad in die richtige Richtung. Weil wir in diese Richtung schon ein paarmal was gemacht haben. Am Ende gibt es für keins der Probleme eine Erfolgsgarantie. Aber Skills, die du dir durch Lesen, Lernen, Gespräche und vor allem Anwendung aneignen kannst und die es dir irgendwann wesentlich einfacher machen.

 

Wenn du heute wieder an der Uni wärst, was würdest du anders machen, um schneller oder besser zu gründen?

Dominic Steinhöfel: Ich würde sehr viel früher sehr viel mehr lesen: Angewandte Psychologie, Marketing, Sales, Management, Selbstoptimierung,… Und viel mehr in mein Netzwerk investieren. Idealerweise in die Richtung meiner geplanten zukünftigen Kund:innen. Als Ex-Wissenschaftler empfand ich das mangelnde professionelle Netzwerk mit der Zielgruppe als allergrößtes Handicap. Das wirft dich im Vergleich zu anderen Gründer:innen mit schon existierenden Kundenkontakten mehrere Jahre zurück. Außerdem würde ich mich schon früher mit Themen wie Resilienz und positiver Psychologie beschäftigen. Als Founder darf dich nichts so schnell umwerfen.

 

Andreas, was können wissenschaftsbasierte Gründungen, was reine Business-Startups oft nicht können?

Andreas Zeller: Eine innovative Idee aus der Wissenschaft sorgt zunächst einmal für viele Vorteile. Die Idee ist in der Regel präzise dokumentiert und bewertet. Es gibt Experimente, die die Machbarkeit zeigen und deren Ergebnisse Kunden wie Investoren überzeugen können. All das schafft Vertrauen, das bei einer reinen Business-Idee nicht immer so gegeben ist.

Andererseits braucht es immer noch einen Weg, diese Idee in einen tatsächlichen Kundennutzen umzuwandeln. Das ist nicht leicht. Viele Ideen aus der Wissenschaft machen Annahmen, die so nicht (oder noch nicht) gegeben sind. Sie kommen zu früh oder sie skalieren nicht. Oder sie lösen ein Problem, das die Kunden nicht haben. Es gilt, die Idee zu verkaufen – im übertragenen wie im tatsächlichen Sinne. Da hilft nur eins: Reden, Reden, Reden mit soviel potenziellen Kunden wie nur möglich, und immer wieder seinen Weg zum Markt anpassen.

 

Inputlab

Deutscher Startup Monitor 2025